„Film - Gedächtnis - Politik“ versucht zum einen, neue transdiziplinäre Kooperationsperspektiven zwischen den Bereichen Politikwissenschaft und Dokumentarfilm herzustellen, zum anderen eine reflexive Diskussion über medial erzeugte öffentliche Bilder in einem aktuellen politischen Kontext anzuregen.
Dabei verbindet das Projekt kultur- und sozialwissenschaftliche Ansätze zur Erhebung der alltäglichen Repräsentation des kollektiven Gedächtnisses mit Methoden des neueren Dokumentarfilms. „Historischer“ Ausgangspunkt ist die Verschiebung der mentalen West/Ost-Grenzen im Prozess der EU-Erweiterung in Mitteleuropa. Die zentrale Untersuchungsthese behauptet, dass es sich dabei zugleich um einen Prozess der Redefinition historischer Räume in der Perspektive des Entwurfs einer gemeinsamen „europäischen Moderne“ handelt.
In dieser Perspektive wird als erster Schritt die tschechische Stadt Zlín untersucht, wobei die Transformation einer nationalen Ikone und industriellen Utopie des frühen 20. Jahrhunderts zu einem Symbol des Realen Sozialismus und seit 1990 zu - ??? - im Zentrum des Interesses steht.
Unsere These unterstellt, dass die wirksam werdenden Umgruppierungsprozesse eine Anschlussfähigkeit des „neuen“ EU-Mitglieds an die europäische Moderne zeigen sollen. Zentral ist daher die Frage, wie das historische Narrativ neu arrangiert wird, um an den bestimmenden Diskurs anknüpfen zu können, und was dabei mit bestehenden Archiven und mentalen Grenzen geschieht. |