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Informed Consent als Verhandlungsraum zwischen Biomedizin und Gesellschaft
Projektbeschreibung
Informed Consent als Verhandlungsraum zwischen Biomedizin und Gesellschaft

Ausgangspunkt:
In den letzten Jahren ist das biomedizinische System mit einschneidenden Veränderungen insbesondere im Bereich des Verhältnisses zwischen ÄrztInnen und PatientInnen konfrontiert. Der konkrete Ort, um diese Veränderungen zu beobachten und zu analysieren, ist für uns „Informed Consent“: Wir begreifen „Informed Consent“ als ein Feld, in dem die Problematik einer „angemessenen“ Information und die Möglichkeit einer gemeinsamen Entscheidungsfindung ausgehandelt werden. Zunehmend wird auch die medizinische, nicht-therapeutische Forschung als regulierungsbedürftig eingestuft, was neue Fragen aufwirft, zu denen es aber kaum sozialwissenschaftliche Forschung gibt.

 

Ziel:
Wir wollen während unseres Projektes einen transdisziplinären Raum etablieren, in dem Informed Consent von unterschiedlichen Seiten unter starker Berücksichtigung des Kontexts reflektiert wird. Unser Ziel ist herauszufinden, welche Art von Information auf welche Weise verstanden und verhandelt wird, welche Vorstellungen des Körpers präsent sind, wie Regulierungen des Verhältnisses von Biomedizin und Gesellschaft verstanden werden, und wie sich dies auf die klinische Praxis auswirkt. Folgende drei Aspekte sind dabei zentral:

  • Die PatientInnenperspektive: Wie verstehen und erleben PatientInnen, die mit einer Einwilligungserklärung konfrontiert sind, diesen Prozess, die ihnen angebotenen Informationen und wie ordnen sie diese in bisherige Erfahrungen ein?
  • Der Umgang mit Informed Consent in der klinischen Praxis: Hier sollen unterschiedliche, an diesem Prozess beteiligte AkteurInnen (ÄrztInnen, KrankenpflegerInnen, Mitglieder von Ethikkommissionen, ForscherInnen etc.) ihre Sicht einbringen.
  • Das transdisziplinäre Arbeiten: Hier geht es um eine Reflexion der Kooperation zwischen WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen wie Medizin, Sozial- und Geisteswissenschaften einerseits, und mit außerwissenschaftlichen AkteurInnen (wie PatientInnen, KrankenpflegerInnen, PatientInnenvertreterInnen) andererseits.

 

Methode:
Auf der Abteilung für Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie im AKH Wien nehmen wir teil am Informed Consent-Gespräch zwischen ForscherInnen vom Klinischen Institut für Pathologie und PatientInnen, denen am darauf folgenden Tag im Zuge bestimmter Operationen Haut entfernt wird. Die Zustimmung der PatientInnen ist notwendig, um die entfernte Haut für Forschungszwecke verwenden zu dürfen. Im Anschluss an die Beobachtung des Informations- und Einwilligungsgesprächs führen wir mit den PatientInnen Interviews, um mit ihnen über ihre Wahrnehmung des Prozesses zu reflektieren. Zudem suchen wir das Gespräch mit MedizinerInnen, PflegerInnen und mit anderen Personengruppen, die mit Einwilligungserklärungen zu tun haben oder in diesbezügliche Regulierungen involviert sind. Zentral sind auch Reflexionsworkshops mit ExpertInnen aus unterschiedlichen Disziplinen (Recht, Ethik, Medizin, Sozialwissenschaften), mit dem medizinischen Personal und dem Pflegepersonal sowie mit PatientInnen bzw. deren VertreterInnen, um unser Material aus den Interviews und den Beobachtungen zu verdichten und an die teilnehmenden Personen zurückzuspielen. Um das transdisziplinäre Arbeiten im Projektteam selbst zu analysieren, dokumentieren wir unsere Treffen und führen über ein Weblog mit den MedizinerInnen ein gemeinsames Forschungstagebuch.