Die Reform der gemeinsame Agrarpolitik (GAP-Reform, verabschiedet 2003) der Europäischen Union verursacht einen massiven Strukturwandel in der österreichischen Landwirtschaft. Im Rahmen des bilateralen Kooperationsprojekt PartizipA (finanziert von BMBWK – Kulturlandschaftsforschung, A; BMBF – Sozialökologische Forschung, D) wird ein so genanntes agentenbasiertes Modell entwickelt, das es ermöglicht, die Auswirkungen dieses Strukturwandels auf die ökologische, ökonomische und soziale Situation landwirtschaftlicher Betriebe darzustellen.
Die Darstellung der Auswirkungen aus Genderperspektive bleibt in diesem bilateralen Kooperationsprojekt jedoch unterbeleuchtet. Im Projekt GenderGAP versuchen wir diese geschlechtsspezifischen Auswirkungen eingehend zu beleuchten. Gemeinsam mit betroffenen AkteurInnen in landwirtschaftlichen Betrieben und Personen aus Interessensvertretungen sollen im vorgeschlagenen Projekt Indikatoren entwickelt werden, die eine Integration der Genderperspektive in ein agentenbasiertes Modell erlauben.
Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass Frauen und Männer in landwirtschaftlichen Betrieben von dem durch die GAP-Reform hervorgerufenen Strukturwandel der Landwirtschaft unterschiedlich betroffen sind. Abzulesen ist diese unterschiedliche Betroffenheit etwa an den unterschiedlichen Veränderungen des Einkommens, der Arbeitszeit und der Arbeitsbelastung der betroffenen Personen. Diese Aspekte sollen in das agentenbasierte Modell Eingang finden. Die dazu nötigen Daten sind einerseits quantitativer, andererseits qualitativer Natur. So kann etwa die Arbeitsbelastung sowohl an der Anzahl der Arbeitsstunden als auch am subjektivem Empfinden im Arbeitsprozess gemessen werden. Eine Herausforderung des vorgeschlagenen Projektes ist es, zu erproben, welche Datenquellen in welcher spezifischen Form dazu geeignet sind, die Genderperspektive in ein agentenbasiertes Modell einzubringen. In welcher Form können etwa qualitative, z.B. in narrativen Interviews erhobene Informationen, entsprechend formalisiert werden?
Die Entwicklung und Evaluation des agentenbasierten Modells soll unter Einbindung der betroffenen AkteurInnen, also in einem transdisziplinären Prozess erfolgen. Das Erarbeiten einer gemeinsamen Problembeschreibung, von Szenarien und Handlungsstrategien mit den AkteurInnen ist ebenso geplant wie die gemeinsame Reflexion und Evaluierung und damit das Lernen für einen transdisziplinären Forschungsprozesses.
Projektdauer: 1. Mai 2005 – 31. Oktober 2006 gefördert durch: BMBWK, Programm TRAFO wissenschaftliches Team: Barbara Smetschka, Veronika Gaube, Juliana Lutz PraxispartnerInnen: Waltraud Schmid-Priwitzer, Bezirks- und Ortsbäuerinnen
Das Institut für Soziale Ökologie in Wien beschäftigt WissenschafterInnen aus natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen, die sich der Erforschung verschiedener Aspekte der Gesellschafts-Natur-Interaktion wie z.B. Nachhaltige Entwicklung, Landnutzung, gesellschaftlicher Stoffwechsel, Umweltinformations- und Umweltindikatorsysteme etc. widmen.
Literaturhinweis: Smetschka, Barbara, Gaube Veronika, and Lutz, Juliana (2007): Bäurinnen gestalten Land(wirt)schaft. Ein Computermodell zur Entwicklung der Landwirtschaft. In: Zoll+ 17(10), pp. 70-72.
Smetschka, Barbara (2006): Das Projekt GenderGAP. Bäurinnen gestalten ihre Zukunft. In: Die Landwirtschaft, pp. 13-13.
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